Review: Cannibal Corpse – Torture

Eine neue Cannibal Corpse Scheibe!

 

 

 

Als alter Cannibal Corpse Fanboy stand ich natürlich gleich am Release Tag dem 13. März 2012 im Totem Records Spalier und holte mir mein Death Metal Menü in 12 Gängen ab. Das Album wird (zumindest in Österreich) in einer Art Zensurhülle verkauft, die den Großteil von Vincent Lockes (NSFW) Artwork verdeckt. Das Artwork ist sehr gelungen und in alter Cannibal Corpse Tradition sehr blutig. Und zwar so blutig, dass ich nachdem ich die CD im Warteraum eines Allergiezentrums umringt von Kindern auspackte, auch gleich wieder einpackte. Yikes! Auf jeden Fall sehr „graphic“.

Zum Album:

Offensichtlich haben die Jungs aus New York einiges an Zeit in das Riffing der Songs investiert. Generell ist das Riffing verwobener als auf dem Vorgänger „Evisceration Plague“, auch die Gitarren klingen fetter. Beim Tempo wurde etwas zurückgeschalten, die Songs kommen vielfach walzenartig rüber, was sich vor allem in vielen Half-Time Parts äußert, die in beinahe jeder Nummer zu hören sind. Corpsegrinder ist in Hochform. Auf den ersten Reinhörer stach für mich keine Nummer sofort total heraus, was ein gutes Zeichen ist, denn Alben die nicht sofort direkt zugänglich sind, hören sich meiner Erfahrung nach langsamer ab.

Texte

CC servieren wieder einmal 12 kurze Horrorfilme für das Kopfkino die sich mit den üblichen Themen wie Zombies, Folter, Mord und Brutalität im weitesten Sinn beschäftigen.

Fazit

„Torture“ ist wie ein blutiges Steak (welche Analogie!), das auf einer Seite ein bisschen verkohlt ist: die äußere Schicht des Steaks ist schön durchgebraten und schmeckt wie man es erwartet, doch der richtige Geschmack ist im Inneren des Steaks zu finden („Scourge of Iron“, „Encased in Concrete“, „As Deep as the Knife will go“ und „Intestinal Crank“). Auf einer Seite des Steaks hat es der Koch jedoch zu gut gemeint und das Ding verbrannt („Crucifier Avenged“ und „Rabid“) und so einiges an guter Substanz „verheizt“.

Aber wer wird denn klagen wenn’s Steak zu Essen gibt?

Hier meine Eindrücke zu den einzelnen Tracks:

Demented Aggression

Die erste Nummer ist in alter Cannibal Corpse Tradition gleich richtig schnell und liefert ohne Umwege was sich ein Fan erwartet, nämlich dass der Knüppel ausgepackt wird. Gut gelungen ist vor allem die rasselnde Bassline. Gefühlsmäßig könnte die Nummer auch auf dem Album „The Wretched Spawn“ sein.

 Sarcophagic Frency

Hier begegnet uns zum ersten Mal das walzenartige Element des Albums. Die Nummer beginnt sehr gerade und aufgeräumt und zieht dann deutlich im Tempo an. Im Mittelteil glaube ich sogar Einflüsse von ATHEIST zu hören (aus der R.A.V.A.G.E.D. bzw. Piece of Time Era). Das Solo ist beinahe verträumt.

 Scourge of Iron

„Scourge of Iron“ lebt von Präzision. Sicherlich eine der besten Nummern auf „Torture“. Man hat durchwegs das Gefühl, der Song könnte gleich losbrechen, was er aber nicht tut, sondern behäbig weiter walzt. Meiner Meinung nach funktioniert so eine Nummer nur mit einem Vocalisten vom Format von George „Corpsegrinder“ Fisher, allein schon weil es schwierig ist so „klar“ zu singen – beispielweise das Wort „iron“. Aufgrund des niedrigen Tempos kann ich mir vorstellen, dass „Scourge of Iron“ öfter gecovert werden wird, was aber in den meisten Fällen fehlschlagen dürfte. Cannibal Corpse lassen es hier sehr leicht aussehen. Auch hier wurde Zeit in das Solo investiert, das durchaus auch auf einem NILE Album zu hören sein könnte.

Encased in Concrete

Hier zieht das Tempo wieder merklich an. Die Panik, die im Text thematisiert wird, kommt sehr gelungen in der Musik rüber. Vor allem der schrille Chorus „Encased in Conrete!“ verbreitet richtiges Unbehagen. Auch hier ist der für das Album typische Wechsel auf Half-Time mehrfach zu hören. Der Abschluss der Nummer ist live sicher ein Kracher.

As Deep as the Knife will go

Der geheime Hit des Albums. Cannibal Corpse weben ein Netz aus Blastbeats, sehr groovigen Parts und Half-Time Akzenten und zeigen damit ihre ganze Klasse. „As Deep as the Knife will go“ fasst das ganze Album sehr gut zusammen. Unglaublich finde ich, dass Paul Mazurkiewicz  die Drumparts dieses Songs in seinem ersten und einzigen Versuch eingespielt hat. Wenn er also nicht gerade verkehrt im „Back-Stretcher“ hängt ist der alte Herr also noch richtig frisch.

Intestinal Crank

Ein schrill-schiefes Lead über ein verwobenes Riffing – fertig ist „Intestinal Crank“. Hier packt Fisher endlich öfter seinen hohen Schrei aus. Meine Lieblingsnummer auf „Torture“

 Followed Home then killed

Am Anfang dachte ich mir: „Was kommt denn jetzt? Sowas „Seasons in the Abyss“-mäßiges? Nicht wirklich. Was wirklich kommt, ist die Storytelling Nummer des Albums, die meiner Meinung nach am meisten Potential für ein Musikvideo hat.  Update: Falsch gedacht, es war doch “Encased in Concrete” –> http://www.youtube.com/watch?v=_HxV65bn0Zw

 The Strangulation Chair

Wieder behäbiger Beginn – diese Nummer könnte auch auf „Gore Obsessed“ sein. Textlich vermute ich zu Beginn fast ein bisschen Gesellschaftskritik. Der Bass rasselt, ein Basssolo? „I’m sold!“ – und muss mich trotz Kurzhaarfrisur dem Headbang-Zwang beugen.

 Caged…Contorted

Wieder beginnt sich der Cannibal Corpse Koloss langsam zu bewegen und wird im Mittelteil wieder schneller, auch hier gibt’s eine interessante Bassline zu hören. Besonders gelungen ist die Rückkehr auf den Half-Time Teil nach dem Refrain. Generell wirkt die Numer sehr durchkomponiert, der Aufbau scheint fast klassisch.

 Crucifier Avenged

Was in der vorigen Nummer noch als Akzent sehr gut funktioniert hat, wird hier in einer ganzen Nummer breitgetreten – heraus kommt eine Nummer die keine Überraschungen bietet, der Qualitätsstandard von CC ist sehr hoch, eine durchschnittliche Nummer der Jungs ist immer noch mindestens eine gestandene Death Metal Nummer. Trotzdem eine der schwächeren Nummern des Albums – angesichts des restlichen Materials auf der CD werde ich hier in Zukunft skippen.

 Rabid

Hier zieht das Tempo wieder an, der Song bleibt aber sonst farblos und hat das Gefühl einer Füllnummer – der Tiefpunkt der Scheibe.

 Torn Through

Nachdem in den vorigen beiden Nummern leider viel Potential verheizt wurde, rehabilitieren sich Cannibal Corpse mit „Torn Through“ völlig. Blastbeats am Anfang gepaart mit Black Metal-artigem Riffing – wer bei den letzten beiden Nummern eingeschlafen ist hört hier wieder auf – der Refrain erinnert mich an irgendwas zwischen GORGOROTH und EMPEROR, wenn man sich Fisher wegdenkt. Cannibal Corpse schaffen es in dieser Nummer auf  sehr authentische Art und Weise Black Metal Elemente zu verarbeiten. Natürlich ist die Grenze zwischen den Genres nicht so scharf zu ziehen (denkt man z.B. an ABSU). Der Song läuft wellenartig ab. Eine würdige letzte Nummer des Albums.

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