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blasphemie

Blasphemie? Da hört sich der (Spiel)Spaß aber auf!

Eigentlich wollte ich in diesem Post darüber schreiben, wie cool ich das Indie-Game “The Binding of Isaac” finde. Doch die Altersbeschränkung des Spiels auf 16+, mit der eigenartigen Begründung, dass aufgrund der “tendenziell blasphemischen Botschaft eine Beeinträchtigung von vor allem religiösen Kindern unter 16 nicht ausgeschlossen werden kann” hat mich dazu gebracht, mich ein wenig mehr mit Games mit religiösem Hintergrund zu beschäftigen.

The Binding of Isaac

          

         

Das Spiel wurde im Herbst 2011 released und nimmt nicht nur im Namen Anleihen aus der Vergangenheit, das Ganze sieht sehr stark nach dem NES Klassiker “The Legend of Zelda” aus. Das heißt, man erkundet Dungeons die aus Räumen bestehen, die ein bis vier Türen haben und über das Besiegen aller im Raum befindlichen Gegner oder durch Schlüssel geöffnet werden. Pro Dungeon gibt es mindestens einen Schatz zu finden und einen Boss zu erledigen. Das klingt jetzt zugegebenermaßen nicht so spannend und schon gar nicht nach 2012.

Wenn die Eltern Mordgelüste plagen…

Angelehnt an die biblische Überlieferung, in der Abraham von Gott auf die Probe gestellt wird, indem er verlangt seinen Sohn Isaac zu opfern, hört hier Isaacs Mutter die Stimme Gottes, die ihr nahe legt ihren Sohn Isaac zu opfern. Als die gute Frau dann mit den Küchenmesser bewaffnete in Isaacs Zimmer spaziert, flüchtet Isaac durch eine Falltür in den Keller – hier beginnt das Spiel.

Was wirklich cool ist:

Zuallererst: Das Character Design. Sehr simpel und retro, aber praktisch alle der mehr als 131 im Spiel befindlichen Items sind am Character sichtbar. Darüber hinaus werden die Level bei jedem Spielen random gestaltet, das selbe gilt für Gegner und Bosse. Über bestimmt Achievements kann man außerdem neue Characters frei schalten. Dazu kommen noch optionale Deals mit dem Leibhaftigen und einige Köstlichkeiten wie z.B. das Buch Belials, Dornenkronen und Kämpfe gegen die sieben Todsünden. Wer (wie ich anfangs) einen langweiligen, repetitiven Legend of Zelda Klon erwartet wird enttäuscht werden.  Für € 4,99 auf Steam bekommt man ein Game mit angenehm hohen Schwierigkeitsgrad, das sich ohne weiteres mehrmals durchspielen lässt (neue Achievements und neue Level inklusive). Ich für meinen Teil habe mittlerweile über 16 Stunden in The Binding of Isaac versenkt.

 Jetzt aber zum serious business:

Ich möchte auf noch zwei weitere Spiele eingehen die sich ebenfalls mit religösen Thematiken beschäftigen und zwar aus der Ecke der ‘Serious Games’: Operation Pedopriest und Faith Fighter. Beide kommen aus dem Hause Molleindustria, einer italienischen Spieleschmiede.

Padophilenschutz im Namen des Klerus

Operation Pedopriest beschäftigt sich mit der Verdunkelung von (Kindes)Missbrauch in den Reihen der katholischen Kirche. Damit der/die SpielerIn auch richtig versteht, wie sowas vonstatten geht, spielt er/sie in die Rolle des Katholenschergen, der damit beschäftigt ist, die Polizei von lüsternen Priestern abzulenken und die Betroffenen sowie ihre Eltern so lange einzuschüchtern, bis die Medienaufmerksamkeit vorbei ist.

Starkes Spielkonzept. So stark, dass bei Veröffentlichung des Spiels im Jahr 2007 sich ein klerusnaher italienischer Politiker namens Luca Volontè bemüßigt sah, rechtliche Schritte gegen die Verbreitung des Spiels einzuleiten. Das ganze stützte er auf einen Paragraph im italienischen Recht, der die Darstellung von Situationen in denen es zu Kindesmissbrauch bzw. -pornographie kommt, verbietet. Da wurde also ein Gesetz gegen Pädophilie und Kinderpornographie dazu verwendet, um die mehr als zweifelhafte Vorgangsweise der katholischen Kirche im Zusammenhang mit diesen Missständen zu schützen. Molleindustria nahm das Spiel dann kurzerhand von der eigenen Homepage, um die Situation nicht noch weiter zu verschlimmern. Natürlich tauchten nach und nach überall im Netz Kopien und mirrors des Games auf. Den Ablauf der ganzen Geschichte kann man hier nachlesen.

Doch Molleindustria ließ sich nicht unterkriegen…

und veröffentlichte noch zwei Games die sich mit Religion beschäftigen: Faith Fighter I & II. In diesen beat ‘em ups kann man verschiedene Gottheiten gegeneinander kämpfen lassen. Und zwar unter folgendem Credo:

Faith Fighter is the ultimate fighting game for these dark times. Choose your belief and kick the shit out of your enemies. Give vent to your intolerance! Religious hate has never been so much fun.”

        

Ich muss jetzt noch grinsen, wenn ich an Jesus denke, der im Street Fighter Style anstatt “Hadoken!” “Holy Ghost” ruft und eine Taube auf den Gegner schießt.

Hier war man aber offensichtlich schon auf Probleme vorbereitet und bietet das Spiel in einer zensierten Version ohne Darstellung von Mohammeds Gesicht an.

Wie weit dürfen/müssen Serious Games gehen?

Dürfen wir nur im allgemein verträglichen Bereich à la Fold it Proteine falten oder in Bio Games Malaria identifizieren? Ist nicht genau das die Kraft der Serious Games, dass ein gewisses Problem dadurch am besten verstanden wird, weil man es selber “tut”? Meiner Meinung nach brauchen Serious Games oftmals genau diese Schockeffekte, die z.B. durch die oben genannten Games verursacht wurden. Die Entrüstung mancher Leute und die Abwehrreaktionen der betroffenen Parteien sind wohl vielfach ein Zeichen dafür, dass das Problem gut dargestellt wurde.

 

~vvolume